Knie Eigenbluttherapie (PRP/ACP): Ablauf, Wirkung, Risiken und Kosten
Die Eigenbluttherapie fürs Knie (häufig PRP oder ACP genannt) gilt als natürliche Alternative bei Schmerzen durch Arthrose, Knorpelschäden oder Sehnenprobleme. In diesem Artikel erfahren Sie verständlich, wie die Behandlung funktioniert, für wen sie geeignet ist, welche Ergebnisse zu erwarten sind und welche Kosten und Risiken zu berücksichtigen sind.
Was ist die Eigenbluttherapie beim Knie?
Bei der Eigenbluttherapie wird dem Patienten Blut entnommen, aufbereitet (z. B. PRP = Platelet-Rich Plasma oder ACP = Autologous Conditioned Plasma) und anschließend in das betroffene Kniegelenk injiziert. Ziel ist es, die körpereigene Regeneration zu unterstützen und Schmerzen sowie Entzündungen zu reduzieren. Die Methode nutzt Wachstumsfaktoren und Zellen aus dem eigenen Blut, statt Fremdstoffe zu verabreichen.
Wann ist eine Eigenbluttherapie am Knie sinnvoll?
- Frühe bis mittlere Kniearthrose (Gonarthrose)
- Fokale Knorpelschäden
- Tendinopathien oder Sehnenansatzbeschwerden rund ums Knie
- Nach operativen Eingriffen zur Unterstützung der Heilung (in Absprache mit dem Operateur)
Bei fortgeschrittener Arthrose mit starker Deformierung oder bei ausgeprägtem Gelenkverschleiß ist oft ein operativer Gelenkersatz die bessere Option.
So läuft die Behandlung ab (Schritt für Schritt)
- Aufklärung und Untersuchung: Anamnese, klinische Untersuchung und gegebenenfalls Bildgebung (Röntgen, MRT).
- Blutentnahme: Einige Milliliter Blut werden aus einer Vene entnommen.
- Aufbereitung: Das Blut wird zentrifugiert oder anders aufbereitet, um das plättchenreiche Plasma zu gewinnen (PRP/ACP).
- Injektion: Mit steriler Technik wird das aufbereitete Plasma in das Kniegelenk gespritzt; meist unter Ultraschallkontrolle.
- Nachbehandlung: Ruhe, Kühlung und Schonung für 24–48 Stunden; physiotherapeutische Maßnahmen können folgen.
Je nach Protokoll sind 1–3 Injektionen im Abstand von 1–4 Wochen üblich. Manche Praxen empfehlen eine Auffrischung nach ~6–12 Monaten.
Wirkung und wissenschaftliche Lage
Studien zeigen, dass PRP/ACP bei vielen Patienten eine deutliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bewirken kann, vor allem bei leichter bis mittlerer Arthrose. Die Effekte können mehrere Monate anhalten. Für den tatsächlichen Knorpelaufbau sind die Daten jedoch uneinheitlich: einige Studien deuten auf eine positive Einflussnahme hin, andere sehen hauptsächlich symptomatische Verbesserungen.
Wichtig: Die Qualität der Studien variiert, und nicht alle Patienten profitieren gleichermaßen. Fachgesellschaften sehen PRP als vielversprechend, aber noch nicht als Standardtherapie mit eindeutigem langfristigem Knorpelregenerationsbeweis.
Vorteile der Eigenbluttherapie
- Körpereigene Substanz, wenig Allergie- oder Unverträglichkeitsrisiko
- Gute Verträglichkeit und vergleichsweise wenige Nebenwirkungen
- Kann Schmerzen reduzieren und die Mobilität verbessern
- Alternative oder Ergänzung zu Kortison- oder Hyaluroninjektionen
Risiken und Nebenwirkungen
- Vorübergehende Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle
- Infektionsrisiko (sehr selten bei steriler Technik)
- Keine garantierte Wirkung — in Einzelfällen keine Besserung
- Bei bestimmten Blutgerinnungsstörungen oder Einnahme von Blutverdünnern ist die Anwendung eingeschränkt
Kontraindikationen
- Akute Infektion im Körper oder im Knie
- Schwere Blutbildungsstörungen oder aktive Tumorerkrankungen (individuelle Abklärung notwendig)
- Starke Gerinnungsstörungen bzw. nicht absetzbare Antikoagulation (in Absprache mit behandelndem Arzt)
Kosten und Erstattungen
Die Eigenbluttherapie wird in Deutschland häufig privat berechnet. Kosten pro Sitzung liegen grob zwischen 150 und 400 EUR, je nach Praxis, Aufbereitungssystem und Anzahl der Sitzungen. Insgesamt können so 300–1.200 EUR anfallen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten meist nicht routinemäßig; private Zusatz- oder Privattarife können abdecken.
Alternativen und kombinierbare Therapien
- Konservative: Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Orthesen, Schmerzmedikation
- Injektionen: Hyaluronsäure, Kortison (bei Entzündung kurzfristig hilfreich)
- Operative Optionen: Arthroskopie bei meniskalen Problemen, Knorpelaufbauverfahren, Knieendoprothese bei Endstadium
In vielen Fällen werden Eigenbluttherapien mit Physiotherapie und Übungen kombiniert, um das Ergebnis zu optimieren.
Praxis-Tipps vor der Behandlung
- Lassen Sie sich die Methode, Gerätetyp (PRP/ACP) und erwartete Sitzungszahl erklären.
- Fragen Sie nach wissenschaftlichen Ergebnissen und Referenzen der behandelnden Praxis.
- Erkundigen Sie sich nach Kosten, möglicher Notwendigkeit von Auffrischungen und Erstattungsmöglichkeiten.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie schnell wirkt die Eigenbluttherapie?
Viele Patienten berichten innerhalb weniger Wochen von einer Besserung; die volle Wirkung entwickelt sich oft über 6–12 Wochen.
Wie lange hält die Wirkung?
Die Schmerzlinderung kann mehrere Monate bis über ein Jahr andauern; individuelle Unterschiede sind groß.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Injektion selbst verursacht meist nur kurze, moderate Beschwerden. Lokale Betäubung ist möglich.
Fazit
Die Eigenbluttherapie fürs Knie (PRP/ACP) ist eine gut verträgliche, körpereigene Option zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bei frühen bis mittleren Knieproblemen. Die wissenschaftliche Evidenz spricht für symptomatische Verbesserungen; ein klarer, dauerhafter Knorpelaufbau ist nicht garantiert. Eine individuelle Beratung durch einen Orthopäden oder Sportmediziner ist wichtig, um Indikation, Ablauf und Erfolgsaussichten realistisch zu besprechen.
Weiterführende Informationen finden Sie z. B. beim NDR-Ratgeber zur Eigenbluttherapie (ndr.de) oder der Gesundheitsinformation.de (gesundheitsinformation.de).
Bei Fragen zu Ihrer individuellen Situation vereinbaren Sie einen Termin zur orthopädischen Abklärung — nur so lässt sich klären, ob eine Eigenbluttherapie für Ihr Knie sinnvoll ist.